Wettbewerb Centralweg Bern
Wettbewerb Centralweg Bern


Im Sommer 2010 hat e3architekten in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro AAB in Bern an einem Wettbewerb für den Neubau von fünfzehn 2- bis 6-Zimmerwohnungen im Berner Stadtquartier Lorraine teilgenommen. Vorgabe waren neben den Gesichtspunkten der sozialen Durchmischung im Quartier und der Erstellung von Mietwohnungen die Anwendung der Kriterien des MINERGIE-P-ECO-Standards und einer entsprechend hohen Nachhaltigkeit.
Städtebau: Der Entwurf orientiert sich an der vorhandenen städtebaulichen Struktur. Dies ist die Riegelformation und eine durchlässige Blockrandbebauung im Quartier. Es ist eine Stärkung der quartiermaßstäblichen Strukturen gewünscht: differenzierte Zonen im öffentlichen Außenraum, Verkehrsberuhigung zwischen Hofweg und Lagerweg, Formulierung des Übergangs von Öffentlichkeit zu Privatheit. Eine Vervollständigung der vorhandenen kleinteiligen Strukturen soll durch private Hofräume und Eingangsbereiche erreicht werden. Die Erhöhung der Lebensqualität im Quartier durch Durchdringung mittels Grünzonen und die Stärkung gewünschter Qualitäten in der Nachbarschaft durch Überschaubarkeit, Treffpunkte sowie Ruhezonen sind ein Anspruch. Die Berücksichtigung der Aspekte wie Zugänglichkeit und Barrierefreiheit sowie der Parkierung ist wichtig.
Architektur: Ziele des Entwurfes sind energetisches Design zur Nutzung der Solarenergie (dachintegrierte Solaranlagen), modernes Ambiente für Wohnen und hochwertige, umweltschonende Materialien. Dieser Idee entspricht auch die Wahl eines einzigen Naturmaterials für die Fassaden- und Dachgestaltung: Robinienholz.
In der Gebäudesprache lehnt sich das monolithisch wirkende Gebäude im Dach an die vorhandenen Mansardendächer der Umgebung an. In der Ost- und Westansicht jedoch dreht es sich eindeutig in großzügige Sheddächer. Vier schräg gestellte Pultdächer unterstreichen die Unterteilung des Gebäudes in die geplanten Wohnmodule und runden die Stadtlandschaft zu einer Bergsilhouette ab.
Durch Vorsprünge und Einschnitte entsteht eine wellenförmige Dynamik, die hofseitig durch die Gegenbewegung der auskragenden Balkone noch unterstrichen wird. Die Balkonbänder wirken wie ein aus dem Volumen herauswachsendes Geflecht und werden damit gliedernder Bestandteil der Gebäudelandschaft.
Energiekonzept und Haustechnik: Das Projekt erfüllt Minergie-P-Voraussetzungen dank kompaktem Baukörper und hochdämmender Außenhülle. Die Primäranforderungen eines Heizwärmebedarfs Qh von unter 15 kWh/m2a und einer gewichteten Energiekennzahl von 30 kWh/m2a werden bereits dank des Einsatzes der in dieser geologischen Zone möglichen Erdwärmepumpe und der kontrollierten Lüftung erreicht.
Zusätzliche Energieträger sind Solarwärme (125 m2 Sonnenkollektoren für Warm- und zum Teil Heizwasseraufbereitung) sowie Solarstrom (bis 200 m2 Photovoltaikpaneele für Stromerzeugung). Die Sonnenkollektoren werden auf dem südlichen Baukörper montiert, die Photovoltaikanlage kann auf den restlichen drei südorientierten Dachflächen platziert werden. Durch diese Maßnahme wird Energieautarkie erzielt. Mittelfristig soll mit der Sonne auch die für diesen Bau notwendige graue Energie kompensiert werden.
Wohnkonzept: Durch die Gebäudeeinschnitte werden geschützte, deutlich ablesbare Eingänge auf der Straßenseite und private Rückzugsbereiche auf der Hofseite geschaffen. Die EG-Maisonetten erhalten kleine private Hofgärten und zusätzlich Balkone im 1. OG, um die Attraktivität dieser „Reihenhäuser“ zu steigern.
Die Flexibilität der Grundrisse wird durch Zuschalten oder Abtrennen der verschiedenen Wohn- bzw. Nutzungsflächen oder durch Schaffung von Zweitzugängen in die Wohnungen erreicht. Die Nutzungsstruktur innerhalb der Wohnungen gliedert sich über den Eingangsbereich mit anschließendem großzügigen Koch- und Essbereich zum offenen Wohnbereich. Infolge bzw. zum Innenhof ausgerichtet befinden sich die privateren Räume.

